Fachtag DigiSucht – Die Möglichkeiten der Digitalen Beratung





Fachtag DigiSucht – Die Möglichkeiten der Digitalen Beratung
Nicht nur während der Pandemie hat sich gezeigt, wie wertvoll digitale Beratungsformate sein können. Sie ermöglichen Menschen mit Suchtproblemen Unterstützung auch dann, wenn eine persönliche Begegnung nur eingeschränkt möglich ist, etwa aufgrund unzureichender infrastruktureller Anbindung oder unregelmäßiger Arbeitszeiten.
DigiSucht ist eine bundesweite, trägerübergreifende Plattform, die Menschen mit Suchtproblemen sowie ihren Angehörigen einen niedrigschwelligen, datenschutzkonformen und ortsunabhängigen Zugang zu professioneller Online-Beratung bietet und damit die bestehenden Angebote der Suchthilfe vor Ort sinnvoll ergänzt.
Das Land unterstützt den digitalen Ausbau der kommunalen Suchtberatung im Rahmen der Strategie „Sachsen-Anhalt Digital 2030“ sowohl ideell als auch finanziell. Sachsen-Anhalt ist bislang das einzige Bundesland, das im Rahmen von DigiSucht_LSA digitale Beratung zusätzlich fördert, unter anderem durch Stellenanteile, Öffentlichkeitsarbeit sowie technische Ausstattung im Rahmen des Corona-Sondervermögens.
Ziel des Fachtags ist es, die vielfältigen Möglichkeiten digitaler Suchtberatung im digitalen Zeitalter zu diskutieren sowie aktuelle Suchtrisiken zu beleuchten. Darüber hinaus sollen die bisherigen Erfahrungen mit DigiSucht in Sachsen-Anhalt vorgestellt und Perspektiven für die zukünftige Weiterentwicklung digitaler Beratungsangebote im Land aufgezeigt werden.
Zielgruppe:
Der Fachtag richtet sich an Akteurinnen und Akteure aus Politik, Verwaltung und Suchtberatung und dient der fachlichen Vernetzung sowie dem Austausch zur Suchtberatung im digitalen Zeitalter.
Persönlicher Dank:
Ein ereignisreicher und erkenntnisreicher Fachtag liegt hinter uns. Wir bedanken uns herzlich bei allen Teilnehmenden und Referent:innen für ihre rege Teilnahme, den fachlichen Austausch und die vielen Impulse.
Ein besonderer Dank geht an Petra Grimm-Benne (Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt) für das Grußwort und die thematische Einstimmung. Des Weiteren möchten wir uns bei den Referentinnen Anita Neutag (Referentin für Suchtprävention bei fjp>media e.V., Fachstelle Medienpause) und Petra Risau (Diplom-Pädagogin und selbstständige Referentin für Onlineberatung und Blended Counseling) für die inspirierenden Vorträge bedanken. Die unterschiedliche Schwerpunktsetzung auf die Chancen und Herausforderungen der Mediennutzung und der digitalen Beratung haben den Fachtag sehr bereichert.
Wir freuen uns auf den zukünftigen fachlichen Austausch mit Ihnen und sagen Danke für Ihr Engagement!
Ergebnisse des Fachtages:
Zunächst gab Nadine Stephan (Leiterin Landesstelle für Suchtfragen im Land Sachsen-Anhalt) einen zentralen Einblick in die Entwicklung und Inanspruchnahme der digitalen Beratungsplattform DigiSucht in Sachsen-Anhalt und zeigte die Perspektiven einer möglichen Fortführung auf.
Frau Neutag richtete den Fokus auf die Mediennutzung und sensibilisierte für die wachsende Bedeutung manipulativer Webdesigns in der digitalen Landschaft. Für die Praxis leitete sich der Auftrag nach Aufklärung über manipulative Designs in allen Altersstufen, die Vermittlung praktischer und alltagsnaher Hilfe- und Unterstützungsangebote sowie Stärkung der Medienkompetenz ab.
Frau Risau schärfte den Blick für die digitale (Sucht-)beratung als eigenständiges, professionelles Arbeitsfeld. Als ein zentrales Ergebnis des Vortrags lässt sich festhalten, dass es keine universelle Digitallösung gibt, da jeder Beratungskanal je nach Zielgruppe, spezifischer Konstellation und konkretem Anlass Vorteile und Nachteile birgt. Eine bewusste Ausdifferenzierung und Verknüpfung verschiedener Beratungskanäle – von datensicheren Messenger-Diensten über Video-Formate bis hin zu KI-gestützten Tools – ist entscheidend für den Beratungserfolg.
In der anschließenden Workshop-Runde erhielten die Teilnehmenden mit der Vorstellung der Arbeit der Telefonseelsorge durch Ute Mertens (Leiterin der Ökumenischen Telefonseelsorge Magdeburg und nördliches Sachsen-Anhalt) einen praxisnahen Einblick in ein etabliertes Beispiel für diese Kanalvielfalt. Während das traditionelle Telefonat sofortige Krisenintervention durch direkten sprachlichen Kontakt ermöglicht, erfordern die Mail- und Chat-Angebote der Telefonseelsorge andere konzeptionelle Ansätze, um Menschen niedrigschwellig und anonym zu erreichen.
Neben der Arbeit der Telefonseelsorge diskutierten die Teilnehmenden in einem parallel stattfindenden Workshop, angeleitet durch Frau Risau, die Gestaltung digitaler Beratung und deren Adaption auf die Plattform DigiSucht. Ein zentrales Ergebnis des Austausches ist die Erkenntnis, dass für eine erfolgreiche Verankerung von digitaler Beratung und Blended Counseling in den Einrichtungen klare strukturelle Voraussetzungen und verlässliche Ressourcen geschaffen werden müssen. Die gemeinsam erarbeiteten Ideen bieten hierfür konkrete Ansatzpunkte, um digitale und analoge Formate passgenau im eigenen Arbeitskontext um- bzw. einzusetzen.
Informationen zu DigiSucht_LSA:
Dokumentation Fachtag DigiSucht: