__________________________________________________________________________________________

Datenlage (Stand: 2011)

Studie Prävalenz der Internetabhängigkeit - PINTA

„Das Ziel von PINTA bestand darin, möglichst verlässliche Zahlen für das Ausmaß von Internetabhängigkeit bereit zu stellen, indem zwei methodische Schwächen bisheriger Studien überwundern wurden: a) durch den Einschluss von sowohl Jugendlichen als auch Erwachsenen und b) durch die Gewährleistung von Repräsentativität.“ (s. PINTA-Studie S.5)

Die Studie findet bei 560.000 Menschen in Deutschland zwischen 14 und 64 Jahren Internetabhängigkeit, das sind etwa 1% dieser Altersgruppe. 4,6 % der 14- bis 64-Jährigen, also rund 2,5 Mio. Menschen, werden als problematische Internetnutzer angesehen. 

Überträgt man die Ergebnisse von PINTA auf die Bevölkerungszahlen Sachsen-Anhalts, so erhält man - bei aller gebotenen Vorsicht bei der Interpretation - folgende Werte: 

  • In der Altersgruppe 14 bis 64 Jahre müssen 15.322 (ca. 1%) Menschen als internetabhängig gelten, zusätzlich zeigen in dieser Altersgruppe 70.482 (4,6%) Personen eine problematische Internetnutzung.
  • In der Altersgruppe 14 bis 24 Jahre müssen 5.738 (2,4%) Personen als internetabhängig gelten, weitere 32.518 (13,6%) weisen eine problematische Internetnutzung auf.
  • In der Altersgruppe 14 bis 16 Jahre müssen 1.708 (ca. 4%) als internetabhängig gelten, weitere 6.575 (15,4%) Menschen zeigen eine problematische Internetnutzung.

In den meisten Altersgruppen sind deutlich mehr männliche als weibliche Personen betroffen, aber in der jüngsten Erhebungsgruppe der 14- bis 16-jährigen verhält es sich anders: Fast 5% der Mädchen, im Unterschied zu 3,1% der Jungen gelten als internetabhängig, und über 17% der Mädchen (13,7% der Jungen) in dieser Altersgruppe zeigen eine problematische Internetnutzung.

Von den 42.698 Jugendlichen von 14 bis 16 Jahren in Sachsen-Anhalt muss also mit 8.283 stark Betroffenen gerechnet werden, die eine problematische Internetnutzung oder -abhängigkeit zeigen.

Datenquellen:
PD Dr. Hans-Jürgen Rumpf, Universität Lübeck, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie et al. i.A. des Bundesgesundheitsministeriums: Prävalenz der Internetabhängigkeit (PINTA-Studie); bundesweite repräsentative Bevölkerungsuntersuchung mit einer telefonischen Befragung von 15.023 Personen im Alter von 14-64 Jahren

Download Vollversion:

http://drogenbeauftragte.de/fileadmin/dateien-dba/DrogenundSucht/Computerspiele_Internetsucht/Downloads/PINTA-Bericht-Endfassung_280611.pdf

Download Kurzfassung:

http://drogenbeauftragte.de/fileadmin/dateien-dba/DrogenundSucht/Computerspiele_Internetsucht/Downloads/PINTA-Kurzbericht-Endfassung_140711.pdf

Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Halle (Saale): Bevölkerungszahlen Sachsen-Anhalt 2011; Berechnung: LS-LSA

Anlass und Fachtagung

Computer und Internet gehören inzwischen zum Alltag. Für einige Jugendliche, aber auch Erwachsene hat das fatale Folgen: Sie ziehen sich immer mehr zurück, leben in einer virtuellen Welt.
Eltern und Pädagogen sind oft ratlos: handelt es sich „nur“ um eine zeitlich begrenzte Faszination oder entwickeln sich ernsthafte gesundheitliche und soziale Probleme? Vor diesem Hintergrund entwickelte die LS-LSA mit Unterstützung der Techniker Krankenkasse das Projekt.

Den Auftakt bildete die Fachtagung „Internet und Computerspiele - jugendliche Erlebniswelten und Suchtgefährdung“ vom 12.08.2010. Rund 120 Experten aus Sachsen-Anhalt hatten über mögliche Handlungsansätze im Bundesland diskutiert. Die Vorträge der Fachtagung finden Sie

>hier. 

Spezialisierte Suchtberatungsstellen

Im dritten Schritt erfolgt für Suchtberatungsstellen und Fachstellen für Suchtprävention spezifische Weiterbildung zu den Formen jugendlicher Mediennutzung sowie zur Diagnostik, Beratung und Behandlung bei problematischem und pathologischem Internetgebrauch.

Einige Nutzer entwickeln eine pathologische Internetnutzung. Bereits jetzt werden Klienten zugewiesen oder suchen selbst Hilfe. Auch besorgte Eltern fragen in den Suchtberatungsstellen um Rat. Deshalb bildet die LS-LSA mit Unterstützung der Techniker Krankenkasse in mehreren Bausteinen spezielle Suchtberater aus, die vor Ort Clearing-Funktion zur Vermittlung der passgenauen Hilfe übernehmen: Geht es „nur“ um Erziehungsschwierigkeiten oder eine starke Faszination oder geht es tatsächlich um pathologischen PC-Gebrauch?

Die passende Hilfe kann eine Erziehungshilfe sein, oder eine Suchtberatung oder eine entsprechende Entwöhnungsbehandlung. Medienpädagogische Angebote für die Entwicklung eines unproblematischen Mediennutzungsverhaltens werden – soweit vorhanden - einbezogen.

Weitere Maßnahmen, wie die Fortsetzung der Beraterschulungen aber auch der Suchtselbsthilfe, sind geplant. Ziel ist ein möglichst flächendeckendes landesweites Angebot.

Das Verzeichnis der speziell qualifizierten Suchtberatungsstellen finden Sie im Downloadbereich

>hier.

Mediennutzung und familiärer Kontext – was können Eltern tun?

Prof. Dr. Kammerl, Rudolf, Universität Hamburg; Dipl.-Päd. Hirschhäuser, Lena, Universität Hamburg, et al.; Hrsg.: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Studie EXIF -Exzessive Internetnutzung in Familien; neben Experteninterviews und Gruppendiskussionen wurden bundesweit 1.744 Jugendliche und ihre Eltern befragt.

Die EXIF-Studie wurde im März 2012 veröffentlicht und befasst sich mit den „Zusammenhängen zwischen der exzessiven Computer- und Internetnutzung Jugendlicher und dem (medien-) erzieherischen Handeln in der Familie“. Das Ziel der Studie war die Untersuchung der Bedingungen in Familien, die eine exzessive Mediennutzung unterstützen. Außerdem wurde untersucht wie sich die exzessive Mediennutzung aus der Perspektive der Eltern und aus der Perspektive der Jugendlichen darstellt und welche Zusammenhänge zwischen diesen bestehen.

Die Schlussfolgerungen der Studie sind:

  • Eltern müssen für Bereich der Medienerziehung (stärker) sensibilisiert werden
  • Medienerziehung muss systematisch und chancenorientiert umgesetzt werden
  • Eltern müssen für ihre eigene medienbezogene Vorbildrolle sensibilisiert werden
  • Medienkompetenz der Eltern muss gestärkt werden
  • Eltern müssen mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen
  • Eltern müssen ihre Verantwortlichkeit erkennen

Download Vollversion
http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/EXIF-Exzessive-Internetnutzung-in-Familien,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf

Download Kurzfassung
http://dialog-internet.de/documents/10157/31232/DialogInternet_EXIF-Studie_Kurzfassung_120314.pdf

Unsere Tipps für Eltern:

  • Geben Sie zu, dass Sie keine Ahnung haben.
  • Und dass Ihr Kind mehr weiß als Sie.
  • Interessieren Sie sich, bitten Sie um Information bei Ihren „hauseigenen Experten“.
  • Ich-Botschaften: äußern Sie Ihre Bedenken auf Augenhöhe.
  • Es ist nun mal Ihr Job: Formulieren Sie Ihre begründeten Erwartungen und handeln Sie Regeln aus.
  • Achten Sie auf die Einhaltung, vereinbaren Sie Termine für die Überprüfung der Regeln.

Medienpädagogische Angebote

helfen vor Ort

  • Eltern bei der Orientierung,
  • Jugendlichen bei der kreativen Nutzung technischer Möglichkeiten,
  • Lehrkräften bei der Integration medienpädagogischer Inhalte in den Unterricht und das Schulleben.

Nach unseren Recherchen kann man von einem Überangebot in Sachsen-Anhalt eher nicht sprechen... Die Projektsuchtberatungsstellen haben für Sie die Angebote in ihren Gebietskörperschaften zusammengestellt, hier finden Sie dieauf der Rückseite des Verzeichnisses der speziell qualifizierten Suchtberatungsstellen (s.o.).

Die Projekte der Landesstelle für Kinder- und Jugendschutz, des Kinderschutzbunds Sachsen-Anhalt und der Medienanstalt Sachsen-Anhalt stehen landesweit zur Verfügung.

>Übersicht landesweit

▲ nach oben